Die Philippinen sind ein südostasiatischer Inselstaat im westlichen Pazifischen Ozean. Zum Inselstaat gehören mehr als 7600 Inseln, von denen aber nur knapp 2000 Inseln bewohnt sind. Die vielen Inseln werden in drei Inselgruppen eingeteilt: Luzon, Visayas und Mindanao. Insgesamt leben etwa 117 Millionen Menschen auf den Philippinen, wobei knapp ein Drittel der Bevölkerung jünger als 15 Jahre alt ist! 

Die Philippinen gehören zu den am stärksten vom Klima betroffenen Ländern weltweit. Naturkatastrophen wie Taifune, Überschwemmungen oder Erdrutsche treten in den letzten Jahren immer häufiger auf und zerstören die Lebensgrundlage vieler hunderttausender Menschen. Zudem zwingt der steigende Meeresspiegel zahlreiche Familien dazu, ihre Heimat zu verlassen.

Mehr als die Hälfte aller Menschen auf den Philippinen bezeichnet sich selbst als „arm“. Demgegenüber weisen offizielle Regierungsstatistiken eine nationale Armutsquote von nur 15,5 Prozent aus. Zwar können die meisten Filipinas und Filipinos lesen und schreiben, doch fehlt ihnen die Chance und das Geld für eine höhere Schulbildung. Und selbst wenn es jemand schafft, eine höhere Ausbildung zu absolvieren, ist der Wettbewerb um die wenigen begehrten Arbeitsplätze im Land so groß, dass gute Noten allein oft nicht ausreichen. Man braucht schon einflussreiche Fürsprecher, gute Beziehungen und den Abschluss einer namhaften Universität, um einen gut bezahlten Job zu bekommen. 

Die soziale Ungleichheit spiegelt sich auch in der Politik wider: Zwar werden freie Wahlen abgehalten, aber zur Präsidentin oder zum Präsidenten wird nur, wer sich den Wahlkampf leisten kann. Desinformationskampagnen, über etablierte Machtstrukturen und anhaltende Korruption sorgen dafür, dass sich seit Jahrzehnten dieselben Familien an der Spitze halten. Wirkliche Veränderungen sind so vielerorts nur schwer umzusetzen, obwohl das Land sie dringend bräuchte. Denn solange sich die Lebensbedingungen der Mehrheit nicht verbessern, müssen sich die Menschen weiter mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs, gesundheitsgefährdenden oder entwürdigenden Arbeiten über Wasser halten. Um ihre Familie versorgen und ihrer Familie einen gewissen Lebensstandard ermöglichen zu können, bleibt für viele nur die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten. Dort arbeiten sie zum Beispiel als Bauarbeiter, Haushaltskraft oder Matrose. Die Kinder dieser Eltern wachsen deshalb oft mit sogenannten „Handy-Eltern“ auf: Elternteile, die über Monate oder Jahre weit weg von ihnen leben und mit denen sie nur gelegentlich telefonieren.

Auswirkungen von Armut und die Folgen für Kinder 

Die Zukunft der Kinder sieht oft ähnlich aussichtslos aus. Aufgrund der allgemeinen Armut im Land ist Kinderarbeit weit verbreitet. Einen Schulbesuch können sich viele Familien nicht leisten - und wenn doch, dann nicht für alle Kinder. Ohne angemessene Schulbildung haben sie aber kaum Chancen, dem Kreislauf der Armut zu entkommen. Manche versuchen deshalb ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen und geraten dabei nicht selten auf der Straße. Auf den Philippinen leben schätzungsweise 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche auf der Straße. Viele von ihnen kämpfen täglich ums Überleben und sind ohne verlässlichen Schutz besonders verletzlich.

In diesen Notlagen geraten viele Kinder in Situationen, in denen sie von Verwandten, Kriminellen bis hin zu Menschenhändlern zur Zwangsarbeit oder Zwangsprostitution gedrängt werden. Nicht zuletzt sind manche Eltern in ihrer Armut so verweifelt, dass sie ihre eigenen Kinder „verkaufen“. Schätzungen gehen davon aus, dass auf den Philippinen bis zu 100.000 Kinder von sexualisierter Gewalt und Ausbeutung betroffen sind. In den letzten Jahren steigen durch die Möglichkeit von Videoanrufen und Livestreaming die Zahlen von Online-Missbrauch.


Für manche endet dort ihr Weg. Aber Gott sei Dank nicht für alle. Jeden Tag bemühen sich Menschen, die Jugendlichen aus dieser Hölle zu befreien, sie aufzubauen, ihnen einen sicheren Ort zu bieten. So auch Schwester Nida und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von PREDA. Die missio-Partnerinnen und -Partner sind unermüdlich und mit Herzblut bei der Arbeit – oder besser gesagt bei ihrem Auftrag: Den jungen Menschen eine zweite Chance zu geben! Und noch etwas ist ihnen gemein: Die Verbundenheit mit der katholischen Kirche. Ihr gehören 83 Prozent aller Filipinas und Filipinos an.

Unsere Beispielprojekte auf den Philippinen

Hoffnung für Straßenkinder

In den Straßen Metro-Manilas leben tausende Straßenkinder. Sie leben am Rande der Gesellschaft, werden oft Opfer von Gewalt und Drogen. Sie betteln und stehlen, manche sehen keinen anderen Weg als die Prostitution, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Ihre Gesundheit ist gefährdet, insbesondere durch HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten. Das Kuya-Center for Boys kümmert sich um diese Kinder und ihre Familien, soweit diese identifiziert werden können.

Initiiert vom verstorbenen Erzbischof von Manila und der „Luzon Association of Religious Brothers“, verfolgt das Center drei Programme: Das Straßenprogramm richtet sich an Kinder, die sich auf der Straße durchzuschlagen. Die Sozialarbeiter suchen diese Kinder auf und bieten ihnen psychosoziale Betreuung, schenken ihnen Aufmerksamkeit und erteilen ihnen Straßenunterricht.

Jungen, die ins Kuya-Center kommen, erhalten im Rahmen des Zentrumprogramms Kleidung, regelmäßige Mahlzeiten, medizinische Versorgung und ein eigenes Bett – für viele das erste im Leben. 40 Straßenkinder im Alter von sechs bis siebzehn Jahren können jährlich im Heim aufgenommen werden und erhalten so eine Chance auf eine bessere Zukunft. Die Kinder werden von Hauseltern betreut, sie gehen zur Schule und lernen in familiärer Atmosphäre, sich gegenseitig zu respektieren, Ordnung zu halten und haben einen regelmäßigen Tagesablauf. Erfahrene Sozialarbeiter helfen den Jungen bei der Bewältigung ihrer Traumata und unternehmen alles, um die Kinder mit ihren Familien zu versöhnen.

Das Schulsponsorship-Programm unterstützt ehemalige Straßenkinder und ihre Eltern, damit sie nicht wieder auf der Straße landen. missio München unterstützt das Projekt seit 2013 und bezuschusst unter anderem die Schulstipendien, medizinische Untersuchungen sowie die Gehälter für die Mitarbeiter des Zentrums.

Lest dazu die Reportage "Der Traum von einer Zukunft" im missio magazin:

zum missio magazin

Das Kinderschutzzentrum PREDA

PREDA ist eine Gründung des irischen Missionars Pater Shay Cullen und seiner Mitarbeiter, eine Organisation zu Rehabilitation, Therapie, Stärkung und Entwicklung gefährdeter Kinder und Jugendlicher in der philippinischen Provinz Zambales. Prostitution von Jugendlichen, Kindesmissbrauch, Drogenmissbrauch, HIV/Aids sind in dieser Küstenprovinz auf der Insel Luzon weit verbreitet. Grund hierfür ist der amerikanische Marinestützpunkt Subic Bay, der erst 1992 geschlossen werden konnte. Das Vorhandensein eines Militärstützpunktes begünstigt die Verbreitung von Prostitution – und als Folge davon Drogenhandel und Aids. Ein weiterer Grund ist die Armut der Bevölkerung. Der Küstenstreifen bietet wenig nutzbares Land.

Die Folgeprobleme des Militärstützpunktes sind immer noch vorhanden: Aids hat sich stark ausgebreitet; für ganze Schichten der Bevölkerung sind Prostitution und Drogen normale Alltagserscheinungen geworden, denn der Einfluss der Sextouristen aus dem Ausland ist heute  nicht weniger zerstörerisch für die Jugend von Zambales als zuvor der der Marinesoldaten.

  • PREDA setzt sich ein für ein gerechtes System, das die Ausbeutung jeglicher Art von Frauen, Kindern und Jugendlichen bekämpft und die Rechte der Armen vertritt

  • Für sexuell missbrauchte und traumatisierte Kinder gibt es ein Heim, das ihnen Schutz, Hilfe und liebevolle Fürsorge bietet
  • In einem groß angelegten Aufklärungs- und Erziehungsprogramm werden jährlich in mehr als 250 Seminaren mindestens 15.000 Kinder und Jugendliche erreicht. Die Seminare finden hauptsächlich an Schulen statt. Aber auch Kinder und Jugendliche, die nicht zur Schule gehen, sowie deren Eltern und Gemeindeleiter sind in dieses Programm integriert. Ein wichtiger Aspekt bei diesen Veranstaltungen ist die Miteinbeziehung von Jugendlichen und Gruppenleitern. Sie erleichtern den Zugang für ihre Alternsgenossen und schaffen Vertrauen.